Andrew Pommier – Shoulder To Shoulder

DEU: Während seiner Karriere als Künstler bemerkte er eine Neigung zu einer spezifischen visuellen Ausdrucksweise zur Übermittlung seiner Ideen, die sonst für ihn nicht darstellbar wären. Figuren, Masken und Tiere kommen nicht nur als einzelne Symbole zusammen, sondern ergeben eine ganze Struktur. Die Taktik der figürlichen Simplifizierung und deren Gewöhnung erlauben eine Gelassenheit in der Präzision der eigentlichen Form. Er hat diese Strukturen etabliert und kann nun in ihnen umherwandern: er kehrt in seinen langen Untersuchungen immer wieder zur Figur und zum Objekt zurück. Die Kommunikation zwischen Materialität und Darstellung ist ein grundlegendes Prinzip seiner Arbeit.

Die Ausstellung Shoulder to Shoulder setzt sich aus zwei eigenständigen, im Dialog stehenden Teilen zusammen. Der eine sieht Kunstgeschichte und Schundliteratur in der pop-surrealen Portraitmalerei miteinander vereint, in der sich der Pinselstrich von der getreuen Darstellung entfernt. In Pommiers Arbeiten ist Schulter-an-Schulter-stehen wörtlich zu nehmen: seine Bilder – als Ausschnitt von Kopf bis Schulter – sind nach dem Prinzip der historischen Portraitmalerei, eines Polizei- oder Passfotos komponiert. Obwohl diese die Eckpunkte zu Wesen und Identifizierung bilden, sprechen die Bilder von Anonymität, Verschleierung und Angst. Jedoch würden Figuren, die sich vorsätzlich vom Betrachter wegdrehten, uns etwas anderes sagen, als diese hier, die uns durch eine Maske oder Verschleierung hindurch anstarren.

Der zweite Teil der Ausstellung bemächtigt sich vergrößerter Seiten aus Pommiers Skizzenbuch. Mit der originalgetreuen Reproduktion werden Striche, die aus Versehen oder in hast entstanden sind zu gewollten Formen. Die Vorzeichnung ist nicht länger eine Vorzeichnung, sondern erhebt sich hier zur Gleichwertigkeit mit ihrer finalen Figur. Im selben Kontext, wie die Schwere der Kunstgeschichte äußerst narbig der Leichtigkeit der Popkultur gegenübersteht, ebnen diese Skizzen das Spielfeld ein, das ihnen das Experiment erlaubt, als fertige Arbeiten zu Tage zu treten. In ihrer Wurzel ist die Malerei eine Denkweise, wie das Schreiben und Sprechen. Die Ausstellung Shoulder to Shoulder ist eine Untersuchung einzelner Untersuchungen, sie ist genauso Dokumentation als auch das eigentliche Ziel.

 

ENG: Throughout my career, I have made note of my own propensity to use a certain visual shorthand to convey ideas that would otherwise slip away from representation. Figures, masks, and animals come together not only as symbol but as structure. This tactic of figural simplification and over-familiarization allows for a looseness in actual form. I have set this structure up so I can wander through it: long painterly investigations always return to the figure and object, therefore giving conversations between materiality and representation a concrete premise.

Shoulder to Shoulder sees two discrete bodies of work in dialogue with each other. The first sees art history and pulp fiction dovetail into pop-surreal portraiture, wherein the brushstroke gets away from the plain task of faithfully representing. Here, standing shoulder- to-shoulder is literal: each painting is composed in the head-and-shoulders sense of a historical portrait, or a mugshot, or a passport photo. Though the framing points to character and identification, the paintings themselves are about the anxiety of anonymity and obfuscation. Figures that are turned intentionally away from the viewer say something else from the figures that gaze out from behind an inserted mask or screen.

The second pulls pages from my own sketchbook and sees them enlarged. Faithfully reproduced, marks made by accident or in ha- ste become intentional forms. The test mark is no longer a test mark; the under-drawing rises up to the same level as its outline. In the same sense that the weight of art history is pitted against the lightness of pop material, these works level the playing field, allowing the experiment to come to light as a finished work. At its root, painting is a mode of thinking as much as writing and speaking aloud is. Shoulder to Shoulder is an investigation of these investigations; it’s as much of a document as it is a destination.